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Die Van-Boschuysen-Affäre in Leyden: Konflikte zwischen Elite-Netzwerken im spätmittelalterlichen Holland

Die Van-Boschuysen-Affäre in Leyden: Konflikte zwischen Elite-Netzwerken im spätmittelalterlichen Holland

Die Van-Boschuysen-Affäre in Leyden: Konflikte zwischen Elite-Netzwerken im spätmittelalterlichen Holland

Von Frederik Buylaert

Francia, Band 35 (2008)

Einleitung: Die 1480er Jahre waren ein turbulentes Zeitalter in der Stadt Leyden in der Grafschaft Holland. 1481 wurde die Stadt, die von der sogenannten Kabeljau-Fraktion (Kabeljauwen) kontrolliert wurde, kurzzeitig von ihren Gegnern, den sogenannten Haken (Hoeken), übernommen. Die Stadt wurde bald wieder in die Hände der Kabeljau gelegt, aber 1486 wurde die städtische Elite erneut von einer weiteren Krise erschreckt. Diese Störung wurde durch den prominenten Leyden-Adligen Willem van Boschuysen verursacht, der den Spitznamen »der Jüngere« trägt. Nach dem Tod seines Vorgängers, Sheriff Adriaan van Zwieten, im August 1486 wurde er vom Souverän zum Sheriff (Schout) von Leyden ernannt.

Der Sheriff von Leyden war eine wichtige Figur. Als lokaler Vertreter der souveränen Autorität hatte er auch einen festen Platz in der Stadtverwaltung von Leyden inne. Der Sheriff war nicht nur an der täglichen Regierungs- und Stadtratsgerichtsbarkeit beteiligt, sondern übte auch eine hohe richterliche Gewalt in der Stadt aus. Seine Position war sehr begehrt und wurde nur von den mächtigsten Leyden-Familien erlangt. Seit 1434 stammte der Sheriff ausnahmslos aus einer der drei mächtigsten Familien der Stadt, nämlich den Adelsfamilien Van Boschuysen, Van Zwieten und Van Poelgeest.

Obwohl Willem van Boschuysen zu diesem Kreis von wenigen Glücklichen gehörte, beunruhigte seine Ernennung die Elite von Leyden sehr. Der Stadtrat von Leyden zahlte viel Geld, um eine Reihe prominenter Persönlichkeiten am burgundisch-habsburgischen Gericht zu bestechen, um seiner Behauptung entgegenzuwirken. Ihr Ziel war es, die Ernennung ihres eigenen Kandidaten Adriaan van Poelgeest auf Kosten von Willem van Boschuysen durchzusetzen. Das Ergebnis dieses Bestechungskrieges (Willem hatte seine Ernennung auch durch ein ›Geschenk‹ erhalten) war, dass der Stadtrat von Leyden eine enorme Menge für Bestechungsgelder ausgegeben hatte, als er die Schlacht im Juni 1487 gewann.

Bild oben: Karte von Leiden in den Niederlanden von Joan Blaeu, 1649