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Abfallwirtschaft und Einstellungen zur Sauberkeit im mittelalterlichen Mitteleuropa

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Abfallwirtschaft und Einstellungen zur Sauberkeit im mittelalterlichen Mitteleuropa

Von Filip Havlíček, Adéla Pokorná und Jakub Zálešák

Zeitschrift für Landschaftsökologie, Band 10: 3 (2017)

Abstract: Das Papier befasst sich mit den Beziehungen zwischen Menschen und Abfall im Mittelalter, vor allem in städtischen Umgebungen in Mitteleuropa. Im Zentrum des Interesses stehen die Einstellung der Bewohner mittelalterlicher Städte zur Sauberkeit und eine Beschreibung verschiedener Abfallbewirtschaftungspraktiken. In diesem Artikel wird auch ein Experiment beschrieben, bei dem Asche zum Waschen von Kleidung als mögliche Verwendung eines bestimmten Abfallmaterials verwendet wird.

Einleitung: Wenn Menschen heute an die Vergangenheit denken, schreiben sie unseren Vorfahren oft ein Gefühl der Rückständigkeit zu. Diese Meinung scheint umso stärker zu sein, je tiefer wir uns mit der menschlichen Geschichte - und der Vorgeschichte - befassen. Diese Ansicht ergibt sich eindeutig aus der linearen Ansicht des menschlichen Fortschritts im Laufe der Zeit; Die Geschichte hat sich allmählich vom Primitivismus zum heutigen „perfekten Zustand des Fortschritts“ entwickelt. Aber wir sind oft überrascht, wenn wir historische Fakten entdecken, die zeigen, wie fortschrittlich - technologisch, künstlerisch oder auf andere Weise - unsere Vorgänger waren. Und je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto größer ist unsere Überraschung.

Ähnliche Vorurteile bestehen darin, wie wir uns die Hygiene- und Abfallbewirtschaftungspraktiken unserer Vorgänger vorstellen. Eine andere verbreitete Überzeugung ist, dass Gesellschaften, die nur organische Abfälle produzierten, sich nicht mit der Abfallwirtschaft befassen mussten, weil alles, was sie wegwarfen, sich von selbst zersetzte. Dieses Stereotyp kann jedoch nicht wirklich auf eine tatsächliche Gesellschaft angewendet werden. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass, wenn nur organische Abfälle erzeugt wurden, deren Vorhandensein nicht behandelt werden musste. Das Mittelalter wird allgemein als das dunkle Zeitalter angesehen. Vielleicht hat die Sichtweise der mittelalterlichen Gesellschaft auf den öffentlichen Raum oder die Hegemonie der katholischen Geistlichen, die auf Kosten der körperlichen Sauberkeit (siehe weiter unten) Reinheit des Geistes forderten, zu dieser Auffassung beigetragen. Abgenutzte Bilder von Menschen, die Müll aus ihren Fenstern werfen; enge, schlammige Straßen der Stadt; und allgegenwärtiger Schmutz und Krankheit werden auf das gesamte Mittelalter angewendet. Das Ziel dieses Papiers ist es, die oben beschriebenen Ansichten dieser Zeit erneut zu untersuchen.


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