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Leben in einer mittelalterlichen Kleinstadt - Die Limburger Chronik

Leben in einer mittelalterlichen Kleinstadt - Die Limburger Chronik

Einige Szenen des täglichen Lebens aus einer kleinen Stadt im mittelalterlichen Deutschland, aufgenommen im 14. Jahrhundert.

Die in Westdeutschland gelegene Stadt Limburg an der Lahn hat eine Geschichte, die bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht. Ein Notar namens Tilman von Wolfhagen schrieb eine Chronik aus dieser Stadt und notierte oft einige der lokalen Ereignisse. Hier einige Auszüge aus seiner Arbeit:

1336 - Außerdem standen zu dieser Zeit die Stadt und das Volk von Limburg in sehr großer Ehre und Wohlstand in der Bevölkerung und im Wohlstand; denn alle Gassen und Ecken waren voll von Leuten und Gütern; und als sie das Feld betraten, wurden die Bürger zu mehr als zweitausend Leuten gezählt, die gut mit Brustpanzern und Geschirr und allen Zubehörteilen bewaffnet waren; und diejenigen, die zu Ostern die Kommunion nahmen, wurden mehr als achttausend Menschen gezählt.

1342 - In dem Jahr, in dem Männer 1342 zählten, wurde am Tag des heiligen Bonifatius (5. Juni) fast die Hälfte der Stadt niedergebrannt.

1359 - In diesem Jahr haben Männer dieses Lied gesungen und gepfeift:

Gott schenke ihm ein Jahr der Seuche
Wer hat mich zu einer Nonne gemacht?
Wer hat mir geboten, diese Tunika weiß zu machen
Und kohlschwarzer Mantel an!
Und muss ich in Wahrheit eine Nonne sein?
Alles gegen meinen Willen?

1367 - Zur Zeit der Haferernte in diesem Jahr, am Vorabend von St. Peter ad Vincula (1. August) und im Schloss von Dern, erstach ein Freiherr von Dern Junker Johann, den Sohn des Grafen von Dietz, damit er an Ort und Stelle gestorben. Und er war ein junger Mann von weniger als dreißig Jahren und von guter Länge und hatte ein langes Gesicht mit einer hohen Nase und glattem Haar, das zu einem langen Schwanz geflochten war, wie es damals üblich war. Und der besagte Johann wäre Graf von Dietz gewesen, wenn er gelebt hätte; aber es kam in andere Hände, wie hier unten geschrieben steht. Der besagte Freiherr hieß Friedrich, ein kräftiger Ritter von fünfzig Jahren, und war ein rechter Freiherr, der von all seinen vier Vorfahren geboren wurde. Und er wurde in der Burg von Dern ins Gefängnis geworfen und nach Dietz gebracht; und Graf Gerhart, Junker Johanns Bruder, hielt einen Hof in Reckenforst; und der vorgenannte Freiherr wurde sofort unter den Franziskanerbrüdern von Limburg enthauptet und begraben. Darum denke nach, bevor du zuschlägst. denn Salomo sagt: Fremens ira nulli parcit was interpretiert wird: „Grimmiger Zorn lässt keinen Menschen frei. So berät dich Salomo. “

1374 - Außerdem gab es zu dieser Zeit, etwa fünf oder sechs Jahre zuvor, am Main einen Franziskaner, der aus dem Volk vertrieben wurde, weil er unrein war (mit Lepra). Er machte die besten Lieder und Weihnachtslieder der Welt, sowohl Worte als auch Melodien, wobei es im Rheinland oder in diesen Teilen nicht seine Art gab. Und was auch immer er sang, alle Männer sangen es gern nach ihm; Alle Meister, Pfeifer und anderen Minnesänger folgten seinen Liedern und Worten. Er hat dieses Lied gemacht:

Weit weg vom Dorf bin ich verboten,
Alle Türen sind geschlossen, um mich elend zu machen!
Untreu, Untreue ist alles was ich sehe
An jeder Hand.

Und das andere:

Mai, Mai! dein fröhlicher Tag
Beschleunigt mich zum freudigen Leben.
Sag mir, was hat das zu sagen?

Und das nochmal:

Untreue hat ihren Sport mit mir gemacht!

1384 - In diesem Jahr trugen Herren, Ritter und Knappen kurze Haare und Kronen, die wie Laienbrüder über die Ohren geschnitten waren. und so auch die Bürger im Allgemeinen und das Gemeinsame
Leute und Bauern nach der Mode der anderen.

1386 - In diesen Tagen war ein Franziskaner aus Brabant, Jacob mit Namen. Er entblößte sich, als wäre er ein Bischof Suffragan, und hatte Briefe davon gefälscht; doch war er kein Bischof. Dieser Mann ging weit und breit durch die Bistümer Mainz und Trier und hatte mehr als dreitausend Akolythen, Subdiakone, Diakone und Priester geweiht und ordiniert, die sich jetzt alle neu ordinieren lassen müssen; und die Menschen nannten sie alle Jakobiten nach dem Namen dieses vorgenannten Schlingel Jakobs. Derselbe Jakob schätze ich böser als Judas, der Christus, den Sohn Gottes, verraten und verkauft hat. denn der Verrat von Judas wurde zum Balsam und Heil für den Samen der Menschen gemacht; aber dieser andere Verrat war eine Ruine und Zerstörung für die Christenheit; denn er ließ bloße Laien Messen singen und lesen, die Männer als Priester betrachteten, und doch waren sie keine. Denn wann immer Männer wüssten, dass sie den Leib unseres Herrn (Kommunion) hochhielten, dann hielten sie ein Simulacrum hoch, so dass die Menschen ein Idol anriefen und verehrten, und so geschahen viele üble Dinge, die ich hier nicht schreiben kann. Darum sollst du die Gestalt des Mannes und sein Gesicht kennen; denn ich habe ihn oft gesehen. Er war ein schlanker Mann von gleicher Länge, dunkel unter den Augen, mit einem langen Gesicht und einer langen, scharfen, spitzen Nase; und seine Wangen waren etwas rötlich, und er krümmte sich mit seinem Körper und verbeugte sich höflich auf und ab. Und er kam zu einem bösen Ende, als er in dieser Angelegenheit gefangen war; und das war nicht mehr als Gerechtigkeit.

Diese Übersetzung stammt von Leben im Mittelalter, ausgewählt und übersetzt von G.G. Coulton. Sie können dieses Buch auf Archive.org lesen.

Bild oben: Limburg an der Lahn aus dem 17. Jahrhundert.


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