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Priester als Verbrecher: Gemeinschaftsregulierung der Priester in der Erzdiakonie von Paris, 1483-1505

Priester als Verbrecher: Gemeinschaftsregulierung der Priester in der Erzdiakonie von Paris, 1483-1505

Priester als Verbrecher: Gemeinschaftsregulierung der Priester in der Erzdiakonie von Paris, 1483-1505

Von Tiffany D. Vann Sprecher

Doktorarbeit, University of Minnesota, 2013

Abstract: Diese Dissertation untersucht Vorwürfe des kriminellen Verhaltens, das von 1483 bis 1505 gegen Priester in der Erzdiakonie von Paris erhoben wurde. Es handelt sich um eine Studie über Gerechtigkeit und Religion, die auf einer Analyse kirchlicher Gerichtsregister basiert. In diesen Registern gibt es Tausende von Fällen gegen Laien und Geistliche. Diese Dissertation konzentriert sich auf Priester und untersucht die vier häufigsten gegen sie erhobenen Anklagen: illegale Geschäftspraktiken; Teilnahme an unangemessenen Freizeitaktivitäten; Gewalt begehen; und illegalen Kontakt mit Frauen haben. Es zeigt, dass Gemeindemitglieder einen weiten Spielraum und viele Werkzeuge hatten, um ihre Priester zu zwingen, auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln. Gemeindemitglieder konnten das kirchliche Gericht zur Durchsetzung des Kirchenrechts in Anspruch nehmen. Das kirchliche Gericht sanktionierte auch stillschweigend den Einsatz bestimmter extralegaler Mittel wie Gewalt, die es den Gemeindemitgliedern ermöglichten, Priester dazu zu zwingen, den örtlichen Erwartungen zu entsprechen.

Schließlich könnten Gemeindemitglieder die kirchlichen Gesetze völlig ignorieren und es ihren Priestern ermöglichen, durch Untätigkeit gegen kirchliche Gesetze zu verstoßen, beispielsweise gegen das Spielen oder das Zusammenleben mit Frauen. Diese Dissertation stellt eine hartnäckige Geschichtsschreibung in Frage, in der Gemeindemitglieder als unter der Führung eines inkompetenten und skrupellosen Geistlichen um die Wende des 16. Jahrhunderts schmachtend dargestellt werden. Historiker haben argumentiert, dass dieses angebliche Fehlverhalten die Gemeindemitglieder dazu veranlasste, anderswo nach religiöser Führung zu suchen - nämlich nach protestantischen oder reformierten katholischen Kirchen.

Vorwürfe von Verbrechen, die von Pariser Priestern begangen wurden, wurden bisher jedoch nicht systematisch untersucht. Diese Studie argumentiert, dass Historiker die Verbreitung und die Desillusionierung von Gemeindemitgliedern mit sakerdotalem Fehlverhalten übertrieben haben. Darüber hinaus zeigt diese Arbeit, dass Gemeindemitglieder eine bedeutende Rolle bei der Regulierung von Priestern in ihren Pfarreien hatten. Gemeindemitglieder schauten nicht unbedingt außerhalb der traditionellen Kirche, um ihre religiösen Bedürfnisse zu erfüllen. Sie nutzten vielmehr die Durchsetzungsinstrumente, die sie besaßen, um den Charakter ihrer örtlichen Gemeinde zu formen. Diese Studie trägt daher zu einer wachsenden Zahl von Wissenschaftlern bei, die die Kirche um die Wende des 16. Jahrhunderts als eine dynamische Organisation betrachten, die von den Bewohnern der Gemeinde selbst weitgehend auf Gemeindeebene ausgerichtet wird.


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