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Karten, Reisen und Erkundungen im Mittelalter: Einige Überlegungen zum Anachronismus

Karten, Reisen und Erkundungen im Mittelalter: Einige Überlegungen zum Anachronismus

Karten, Reisen und Erkundungen im Mittelalter: Einige Überlegungen zum Anachronismus

Von Patrick Gautier Dalché

Der historische Rückblick, Vol.12 (2015)

Abstract: Wie wurden Karten im Mittelalter konzipiert? Mit den Worten "Karte", "Reisen" und "Erkundung" müssen Historiker vor Anachronismus vorsichtig sein. Mittelalterliche Karten sind wie unsere Karten immer materialisierte Gedankenobjekte und somit Interpretationen der Welt, unvermeidlich variabel und kritisch; In dieser Hinsicht hat die „Moderne“ nichts erfunden oder verändert. Der Artikel befasst sich mit einigen Anachronismen über die Rolle von Mappae Mundi auf mentalen Reisen, ihre Funktion auf Seereisen und ihre Rolle während der großen „Entdeckungen“; es wird behauptet, dass keine andere vormoderne Zivilisation außer vielleicht den Chinesen jemals so von kartografischer Kultur durchdrungen war.

Einleitung: In einer Szene aus Richard Fleischers Film Die Wikinger (1958), ein Engländer aus Northumbria, der nach Skandinavien geflohen war, zeigt den örtlichen Chefs mehrere Karten von Großbritannien, um sie bei der Vorbereitung ihres Angriffs zu unterstützen. Dies ist natürlich stark anachronistisch. Nordmänner benutzten niemals Karten oder Kompasse. Sie unternahmen Expeditionen, die sich auf ihre außergewöhnliche Fähigkeit stützten, sich an ihre praktischen Kenntnisse der Seefahrt zu erinnern, die auf toten Rechnungen, der Beobachtung der Himmelskörper und Seevögel, Wale und Eisschollen beruhten.

Aber was ist mit uns? Sind wir frei von Anachronismus, wenn wir Karten und ihren Zweck im Mittelalter diskutieren? Die Worte im Titel dieses Artikels sind selbst Fallen, die unser Verständnis der Verwendung und des Wertes mittelalterlicher Karten verzerren können. Für viele Kartographiehistoriker ist es daher offensichtlich, dass die in Klöstern hergestellten Mappae Mundi nicht dem dienen konnten, was wir als „praktischen“ Zweck bezeichnen würden, und für die Orientierung im realen Raum keinen Nutzen hatten. Und doch, wird unser Urteil nicht durch unsere eigene Verwendung der Straßenkarte bestimmt, die so symbolisch ist? Was meinen wir damit, wenn wir über „Reisen“ sprechen? Wenn wir zum Beispiel eine Straßenkarte brauchen, um mit dem Auto von Paris nach Leeds zu fahren, können wir dann naiv eine intellektuelle und soziale Erfahrung in das Mittelalter übertragen, die mit der Technologie der heutigen Kommunikation durchgeführt wird?


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