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Verbannung von Wucher: Die Vertreibung ausländischer Geldverleiher im mittelalterlichen Europa, 1200-1450

Verbannung von Wucher: Die Vertreibung ausländischer Geldverleiher im mittelalterlichen Europa, 1200-1450

Verbannung von Wucher: Die Vertreibung ausländischer Geldverleiher im mittelalterlichen Europa, 1200-1450

Von Rowan William Dorin

Doktorarbeit, Harvard University, 2015

Zusammenfassung: Ab Mitte des 13. Jahrhunderts befahlen Könige, Bischöfe und lokale Herrscher in ganz Westeuropa wiederholt die Verbannung von Ausländern, die Kredite bei Interesse verliehen. Die Vertreibung dieser Ausländer, hauptsächlich Christen aus Norditalien, fand vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über die sozialen und spirituellen Auswirkungen einer schnell wachsenden Kreditwirtschaft statt. Darüber hinaus wurden solche Vertreibungen ab 1274 durch das Gewicht des kanonischen Rechts gestützt, da die von säkularen Präzedenzfällen inspirierte kirchliche Hierarchie den Herrschern überall befahl, ausländische Geldverleiher aus ihrem Land zu vertreiben. Ständige Ausweisungsdrohungen wurden ordnungsgemäß in die Gesetzbücher von Salzburg nach Nordspanien eingetragen.

Diese Dissertation untersucht die Entstehung und Verbreitung der Idee, ausländische Wucherer in der intellektuellen und rechtlichen Landschaft des spätmittelalterlichen Europas auszuschließen. Aufbauend auf einer Vielzahl von Beweisen aus siebzig Archiven und Bibliotheken untersucht die Dissertation, wie sich die Idee der Ausweisung in der Praxis äußerte, wie ihre Ziele definiert wurden und wie die daraus resultierenden Ausweisungsanordnungen durchgesetzt wurden - oder nicht. Es zeigt, wie Verwaltungsverfahren, intellektuelle Kategorien und sprachliche Gewohnheiten zirkulierten und sich entwickelten, um die Verbannung nicht nur ausländischer Wucherer, sondern auch anderer Ziele, insbesondere der Juden, zu gestalten.

Durch die Rekonstruktion dieser Vertreibungen und der damit verbundenen rechtlichen und theologischen Debatten werden in dieser Dissertation breite Themen miteinander verknüpft, die von der Verbreitung von Kaufleuten und Manuskripten bis hin zu widersprüchlichen Überschneidungen in politischen Zuständigkeiten und Geschäftspraktiken reichen. von der Widerstandsfähigkeit der biblischen Exegese bis zur Flexibilität der Rechtshermeneutik; und von Verschiebungen im politischen Denken und in der kirchlichen Lehre zu Definitionen von Fremdheit und den Grenzen der Staatsbürgerschaft. Es zeigt die Auswirkungen der Vertreibung auf die Kreditgeographie im späteren Mittelalter auf und wirft ein neues Licht auf die Durchdringung von Recht und Wirtschaftsleben im vormodernen Europa. Vor allem, wenn es darum geht, Vertreibung als ansteckend und protisch zu behandeln, rahmt diese Dissertation das spätmittelalterliche Europa als eine Gesellschaft ein, in der sich seit der Spätantike ins Stocken geratene Vertreibungspraktiken erneut in der europäischen Praxis und im europäischen Denken durchgesetzt haben.


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