Podcasts

Call for Papers: Die Politik des Papiers in der frühen Neuzeit

Call for Papers: Die Politik des Papiers in der frühen Neuzeit

Call for Papers: Die Politik des Papiers in der frühen Neuzeit

Internationale Konferenz
Groningen, Niederlande
9.-10. Juni 2016

Papier ist heute so allgegenwärtig, dass wir es oft übersehen. Papier war einst eine brandneue Kommunikationstechnologie und ein politisches Instrument, das das politische Leben der frühen Neuzeit auf vielfältige Weise grundlegend beeinflusste. Das Papier kam im 12. Jahrhundert über China und das muslimische Mittelmeer nach Europa. Im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert, als sich die Papierherstellung in ganz Europa ausbreitete, wurden die revolutionären Auswirkungen des Papiers auf die europäische Politik und die politische Kommunikation deutlich sichtbar. Diese zweitägige Konferenz soll Wissenschaftler und Papierexperten aus verschiedenen Disziplinen und geografischen Gebieten zusammenbringen, die daran interessiert sind, wie Papier die Praktiken der Politik und der politischen Kommunikation im Zeitraum von ca. 20 Jahren unterstützt, gestaltet oder auf andere Weise beeinflusst. 1350–1800. Ziel ist es, ein integraleres Bild von Papier als materiellem Artefakt und politischer Kommunikationstechnologie zu skizzieren, um die sich kohärente historische Praktiken entwickelten. Zu diesem Zweck wird der „Lebenszyklus“ des frühneuzeitlichen „politischen“ Papiers anhand von vier Themen verfolgt:

1. Papier als politisch erwünschte Herstellung, Handelsware und zirkulierendes Materialartefakt.

Frühneuzeitliche politische Akteure waren unersättliche Papierkonsumenten. Während es eine reiche technische Literatur zur Papierherstellung gibt, bleibt der frühneuzeitliche Lappen- und Papierhandel trotz ihrer wirtschaftlichen und politischen Bedeutung weitgehend ungeprüft. Welche materiellen Möglichkeiten, Zwänge und Konstellationen ergeben sich in politischen Praktiken der frühen Neuzeit, wenn wir uns auf Papier als Ware und zirkulierendes materielles Artefakt konzentrieren?

2. Papier über die Entstehung von Briefkulturen, Postdiensten und Nachrichten.

Mit der Verbreitung von erschwinglichem Papier in ganz Europa um 1460 eröffneten sich neue Möglichkeiten und Methoden für den Erwerb, den Zugriff auf und die Übermittlung politischer Informationen. Wie hat sich Papier auf aufstrebende frühneuzeitliche Kulturen und Praktiken des politischen Briefschreibens ausgewirkt? Welche Rolle spielte Papier bei der frühneuzeitlichen Entwicklung von Postdiensten und Postinfrastrukturen? Wie hat Papier Formen, Funktionen und Praktiken der Übermittlung von Nachrichten oder von Nachrichtenkulturen beeinflusst?

3. Papier als Instrument der Regierungsführung, Diplomatie und des Managements politischer Informationen.

Die oft täglich in Papierform geleistete Korrespondenz zwischen europäischen Herrschern und ihren Beamten überschwemmte Kanzleien und überflutete Herrscher, am bekanntesten im Fall von "el rey papelero" Philipp II. Von Spanien. Wie hat das Papier die Praktiken der politischen Repräsentation, Diplomatie, Politik und Regierungsführung (neu) gestaltet? Inwiefern hat Papier die Routinen der politischen Entscheidungsfindung, der Führung von Aufzeichnungen und des Informationsmanagements verändert?

4. Papier als Impuls für neue Archivierungsformen und neue Archivierungspraktiken.

In der frühen Neuzeit wurden große Investitionen in Archive und Archivräume in ganz Europa sowie weitreichende Innovationen bei den Archivierungspraktiken getätigt - teilweise um die aufkeimende Papierflut zu bewältigen. Wie hat sich der Aufstieg des Papiers als Medium für politische Aufzeichnungen und Regierungsführung auf frühneuzeitliche Archive und Archivierungspraktiken ausgewirkt? Welche Praktiken und Diskurse haben sich im Zusammenhang mit der Archivierung politischer Papiere entwickelt und mit welchen Konsequenzen für deren Verwendung? Jedes Thema wird durch eine Reihe paralleler Panels und eine Plenarvorlesung untersucht. Zu den bestätigten Hauptrednern gehören:

Lothar Müller (Humboldt-Universität / Süddeutsche Zeitung)
Jonathan Bloom (Boston College / Virginia Commonwealth University)
Andrew Pettegree (Universität von St. Andrews)
Jacob Soll (Universität von Südkalifornien)

Die Sprache der Konferenz ist Englisch. Eine von Experten begutachtete Veröffentlichung ist geplant.

Richtlinien für Einreichungen

Wir begrüßen Vorschläge für 20-minütige englischsprachige Beiträge zu einem oder mehreren der vier Themen der Konferenz. Beiträge mit vergleichender oder theoretisch-historischer Ausrichtung sind ebenso willkommen wie Beiträge von Wissenschaftlern, die im politischen Leben außerhalb Europas auf Papier arbeiten. Solche Themen könnten Papier in Gesellschaften sein, in denen es viel länger im politischen Leben präsent war (z. B. China und Südasien; der (islamische) Nahe Osten), oder die Rolle von Papier in der Kolonialpolitik und in Gesellschaften. Vorschläge sollten enthalten

  • ein vorläufiger Titel für Ihre Arbeit
  • eine Zusammenfassung von 250-300 Wörtern
  • ein Lebenslauf von nicht mehr als 1 Seite
  • Kontaktinformationen, einschließlich jeglicher institutioneller Zugehörigkeit

Senden Sie Ihre Vorschläge an [E-Mail geschützt] bis Freitag, 29. Januar 2016. Erfolgreiche Bewerber werden Mitte Februar per E-Mail benachrichtigt. Von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie die Kosten für ihre Reise und Unterkunft selbst organisieren und übernehmen. Sie erhalten eine Anmeldegebühr von 120 € (75 € für Studenten). Die Gebühr umfasst Mittagessen und Kaffee während der Konferenz sowie das Konferenzdinner am 10. Juni und einen Ausflug zu einer Papierfabrik (ca. 1692) am 11. Juni. Die Konferenzorganisatoren haben zusätzliche Mittel beantragt, mit denen sie die Gebühren senken können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Konferenzorganisatoren unter [E-Mail geschützt]oder besuchen Sie die Konferenz-Website, http://politicsofpaper.wix.com/politicsofpaper oder die Konferenz Facebook Seite.

Konferenzorganisatoren

Diese Konferenz wird von Dr. Megan K. Williams (Universität Groningen) in Verbindung mit ihrem Forschungsprojekt „Papierprinzen: Papier in Diplomatie und Staatskunst der Frühen Neuzeit“ organisiert, das von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) finanziert wird. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf paperprinces.org. Zum Organisationsteam gehören auch Frank Birkenholz, MA (Universität Groningen); Jeroen Claassens, MA-Student (Universität Groningen); Johanna Feenstra, MA-Studentin (Universität Groningen); und Quinten Somsen, MA-Student (Universität Leiden). Die Konferenzorganisatoren sind dankbar für die finanzielle und materielle Unterstützung der NWO und der Universität Groningen.


Schau das Video: Deutsche Geschichte - 7 - Frühe Neuzeit (Januar 2022).