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Röcke und Politik: Das Zisterzienserkloster Harvestehude und der Hamburger Stadtrat

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Röcke und Politik: Das Zisterzienserkloster Harvestehude und der Hamburger Stadtrat

Cordelia Heß

Mittelalterliches feministisches Forum: vol. 47 nr. 2, 2011: 57–92

Abstrakt

1482 hob Catharina Arndes ihre Röcke vor dem Kaplan des Erzbischofs hoch. Sie war eine angesehene Stadtbewohnerin aus Hamburg und wurde zur Verteidigung des Zisterzienserklosters Harvestehude in der Nähe der Stadt eingesetzt, in dem mehrere Nichten von Catharina als Nonnen lebten. Der von Erzbischof Heinrich von Schwarzburg entsandte Kaplan war mit einer Delegation aus Kanonen aus Bremen und Hamburg angereist, um das Kloster zu reformieren, aber die Delegation konnte sich nicht gegen diese besondere Form des Widerstands verteidigen: Angesichts der hochgezogenen Röcke von Catharina, Die Delegation musste sich zurückziehen. Das Kloster blieb nicht reformiert.

Dieser Vorfall des Rocklifting, der als Obszönitätsakt gegen einen Mann der Kirche wahrgenommen wurde, ereignete sich auf dem Höhepunkt eines komplexen Konflikts im spätmittelalterlichen Hamburg. Die Nonnen des Zisterzienserklosters Harvestehude standen auf einer Seite dieses Konflikts und wurden von der empörten Gruppe unterstützt, zu der Catharina Arndes gehörte. Sie standen dem damals gespaltenen Stadtrat Hamburg einerseits und Vertretern kirchlicher Institutionen andererseits gegenüber, nämlich den Delegierten des Bremer Erzbischofs und dem Hamburger Domkapitel. Die umfassendste Quelle für den Konflikt von 1482 ist eine Chronik von Bürgermeister Herman Langebek (auch: Langenbeck), die ein frühes Beispiel für die einheimische Geschichtsschreibung aus der vorreformatorischen Hamburg darstellt. Ein späterer Text, Albert Krantz 'Wandalia, 1519 in Köln gedruckt, ebenfalls von einem hanseatischen Politiker, geht nur kurz auf das Thema ein und verwendet eindeutig Langebeks Geschichte als Modell und Informationsquelle. Albert Krantz lässt den Vorfall des Rocklifting aus, hebt jedoch die „Gewalt“ hervor, die Frauen zur Verteidigung des Klosters anwenden.


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