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Geschlechter- und Ehestreitigkeiten vor den Kirchengerichten im späteren Mittelalter: Die Beweise des Court of York

Geschlechter- und Ehestreitigkeiten vor den Kirchengerichten im späteren Mittelalter: Die Beweise des Court of York

Geschlechter- und Ehestreitigkeiten vor den Kirchengerichten im späteren Mittelalter: Die Beweise des Court of York

P.J.P. Goldberg

Geschlecht & Geschichte: Band 19 Nr. 1, April 2007, S. 43–59.

Abstrakt

Nicht zuletzt von Essayisten wird allgemein behauptet, dass die mittelalterliche Kirche als patriarchalische Institution und der mittelalterliche Katholizismus als frauenfeindliche Ideologie maßgebliche Faktoren für die Marginalisierung und Unterdrückung von Frauen in der mittelalterlichen Gesellschaft waren. Offensichtlich ist dies eine zu vereinfachende Verallgemeinerung, und viele zeitgenössische Kirchenmänner wären in der Tat begeistert gewesen zu erfahren, dass die Kirche das Leben und Denken der Menschen genauso beeinflusst hat, wie diese grobe Perspektive voraussetzt. Es ist zu ignorieren die Vielzahl anderer Einflüsse auf die Struktur der Gesellschaft und die Vielfalt der Kulturgeschichten und -geografien, die hinter der oberflächlichen Einheit des katholischen Christentums stehen. Es ist jedoch zu einfach, eine Verallgemeinerung, die tatsächlich etwas Wahres enthalten kann, mit akademischer Verachtung zu versehen. Der Zweck dieses vorliegenden Aufsatzes ist es, nur eine Facette dieses größeren und komplexen Bildes zu untersuchen. Durch die Ausübung des kanonischen Rechts spielte die mittelalterliche Kirche eine wichtige Rolle bei der Polizeiarbeit im Leben der Menschen. Hier ist die Kirche als Institution, die sich direkt mit und im Leben gewöhnlicher Laien beschäftigt, unter anderem mit persönlichem Glauben, sexuellem Verhalten, Eid und - unser Anliegen - der Ehe. Beweise aus dem späteren mittelalterlichen England können verwendet werden, um zu zeigen, dass Zeitgenossen die Fairness und Unparteilichkeit der kirchlichen Gerichte in Frage stellen könnten. Wenn einige spätere mittelalterliche Männer dachten, die Gerichte seien voreingenommen, wie könnte die weibliche Perspektive gewesen sein? Charles Donahue, Jr., hat argumentiert, dass die englischen Gerichte tatsächlich systematisch gegen weibliche Prozessparteien voreingenommen waren. Sie waren, um einen aktuellen Satz auszuleihen, institutionell sexistisch. Mehr als zehn Jahre nach Donahues Argumentation, seitdem es von Frederick Pedersen gebilligt wurde, ist es an der Zeit, dieses Urteil zu überdenken.

Die mittelalterlichen Kirchengerichte stellten in der Tat ein wichtiges und allgegenwärtiges Forum für gerichtliche Kontrolle und Streitbeilegung dar, das neben und manchmal im Wettbewerb mit säkularen Gerichtsbarkeiten stand. Schuldenstreitigkeiten beispielsweise finden sich normalerweise vor den Bezirksgerichten und dergleichen, verbergen sich jedoch manchmal hinter Klagen wegen Versprechensbruchs (fidei lessio), obwohl die kirchlichen Gerichte nur kirchliche Sanktionen wie Buße oder in schwereren Fällen durchsetzen konnten Exkommunikation. Verleumdungsfälle konnten ebenfalls sowohl vor kirchlichen als auch vor Zivilgerichten verhandelt werden. In bestimmten Bereichen war die Autorität der Kirche in der Tat unangefochten. Die Anklage wegen Häresie fiel somit vollständig in die Zuständigkeit der Kirche.


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