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Grenzen im Entstehen - Historiographie und die Isolation des spätmittelalterlichen Böhmen

Grenzen im Entstehen - Historiographie und die Isolation des spätmittelalterlichen Böhmen

Grenzen im Entstehen - Historiographie und die Isolation des spätmittelalterlichen Böhmen

Alexandra Karr

Vortrag gehalten auf der 7. Graduiertenkonferenz für europäische Geschichte (GRACEH): 27. April 2013

Abstrakt

Dieses Papier befasst sich mit einer Episode der böhmischen Geschichte des frühen 15. Jahrhunderts. Während der sogenannten Hussitenkriege versuchte eine Koalition katholischer Mächte, eine weitreichende Blockade von Handel und Gewerbe gegen das Königreich Böhmen zu errichten, das damals als Brutstätte der Häresie galt und gegen seinen legitimen Herrscher rebellierte und die päpstliche Kirche. Nach einer Zeit fruchtbarer Interaktion und wirtschaftlicher Integration während der Regierungszeit des deutschen und böhmischen Königs Karl IV. Hatte diese Isolation angeblich einen allgemeinen Niedergang und eine vorübergehende wirtschaftliche und kulturelle „Rückständigkeit“ der - angeblich - einst fortschrittlichen, politisch und wirtschaftlich führenden Person zur Folge Königreich. In einem ersten Schritt befasst sich das Papier mit Fragen, die sich aus dem zeitgenössischen Verständnis der Anti-Hussiten-Blockade ergeben. Es werden drei Dokumente aus dem 15. Jahrhundert diskutiert, die zeigen, wie die Blockade gefördert, in die Praxis umgesetzt und als Argument für den Prozess der praktischen und ideologischen Trennung von einem religiösen Gegner verwendet wurde.

Zweitens befasst sich das Papier mit der Behandlung der Blockade in der Geschichtsschreibung des 19. und 20. Jahrhunderts. Es wird untersucht, wie moderne Historiker ihre Verwirklichung und Effizienz beurteilten. Das Papier diskutiert weiter, welche rhetorischen und ideologischen Mechanismen beim Verständnis der Blockade durch die Historiographie zusammengearbeitet haben und welche unbewussten Wahrnehmungen die Attraktivität der Blockade für die Erklärung verschiedener anderer Phänomene ausmachten. Das Papier untersucht daher hauptsächlich, wie die Anti-Hussiten-Blockade sowohl von ihren Zeitgenossen als auch von der modernen Geschichtsschreibung interpretiert und (argumentativ) genutzt wurde. Es wird jedoch auch versucht, es als ein reales historisches Phänomen zu diskutieren. Beide Analyseebenen zeigen unterschiedliche, aber wohl miteinander verbundene Prozesse der Grenzziehung, von denen der eine im Spätmittelalter und der andere in der heutigen modernen Geschichtsschreibung stattfindet. Daher dienen sie als Fallstudie dafür, wie Zeitgenossen und Historiker sich durch die Schaffung von Grenzen mit der Schaffung von Raum befasst haben und immer noch beschäftigen.


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