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Das ungeschriebene Kapitel: Anmerkungen zu einer sozialen und religiösen Geschichte der Geniza-Magie

Das ungeschriebene Kapitel: Anmerkungen zu einer sozialen und religiösen Geschichte der Geniza-Magie

Das ungeschriebene Kapitel: Anmerkungen zu einer sozialen und religiösen Geschichte der Geniza-Magie

Von Steven Wasserstrom

Officina magica: Essays über die Ausübung von Magie in der Antike, herausgegeben von Shaul Shaked (Brill, 2005)

Einleitung: Der vorliegende Aufsatz wird nicht versuchen, die Kategorie „Magie“ zu definieren. Nützlicher für die gegenwärtigen Zwecke ist die Definition einer Kultur- und Religionsgeschichte der Geniza-Magie. Da dies an anderer Stelle geschehen ist, wird in diesem Aufsatz auch die Literatur zur Geniza-Magie als solche nicht besprochen. Stattdessen werde ich unter Bezugnahme auf die Magie in den Geniza-Dokumenten die Frage aufwerfen: Wie könnte der Religionshistoriker eine soziale und religiöse Geschichte der jüdischen Magie in der mittelalterlichen islamischen Welt schreiben? Unter anderem dank der Arbeit von Peter Schäfer, Shaul Shaked und Moshe Idel kann man nun verkünden, dass dieser fundamentale magische Akt der akademischen Transformation - der Paradigmenwechsel - stattgefunden hat. Die Vorstellung einer religiösen Geschichte der jüdischen Magie setzt schließlich diese neue Sichtweise der Magie als religiöses System voraus, die ältere Modelle der Magie als die anderen der Religion ersetzt.

Sogar Gershom Scholem konnte trotz all seiner Raffinesse in diesen Angelegenheiten spät im Leben auf solche Unterscheidungen zurückgreifen. Scholems Haltung gegenüber der Unterscheidung zwischen Magie und Religion, die in einem Interview Ende der 1960er Jahre vorgestellt wurde, kann als Beispiel angeführt werden:

Wir wissen, dass es heute in Westafrika Magie gibt und dass sie funktioniert. Dort gibt es eine geschlossene Gesellschaft. [O] Natürlich können wir keine Magie ausführen, aber in Westafrika können sie, weil es eine ethnisch und kulturell homogene Gemeinschaft ist ... Aber selbst die Mystik, die individuelle mystische Vision, wird vergröbert, verwandelt sich in Magie und wilde Grobheit ... Die wahren Mystiker waren Männer von außergewöhnlichen Geschenken. Andere, die danach kamen, verwandelten alles in grobe Volksmagie.


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