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"Für wen schreibt der Schriftsteller?": Die erste Beulenpest-Pandemie nach syrischen Quellen


"Für wen schreibt der Schriftsteller?": Die erste Beulenpest-Pandemie nach syrischen Quellen

Von Michael G. Morony

Pest und das Ende der Antike: Die Pandemie von 541–750, herausgegeben von Lester K. Little (Cambridge, 2006)

Einleitung: Die syrische Literatur hat viel zu sagen über die erste Pandemie der Beulenpest von 541 bis 749 n. Chr. Dies beinhaltet Informationen über die geografische Verbreitung und das Ausmaß des anfänglichen Ausbruchs in der Zeit von Justinian (541–543), die Chronologie späterer Ausbrüche, die Pathologie der Krankheit, ihr Auftreten bei Tieren sowie einige Informationen über das Ausmaß der Mortalität bei Tieren menschliche Opfer, die Beseitigung der Leichen, die sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Auswirkungen der Pest und wie sie von Zeitgenossen verstanden und beschrieben wurde.

Der wichtigste zeitgenössische syrische Bericht über den ersten bekannten Ausbruch der Beulenpest während der Regierungszeit von Justinian findet sich im zweiten Teil des Kirchengeschichte von Johannes, Bischof von Ephesus (489–578 / 9). John stammte aus Amida (Diyarbakr) im Norden Mesopotamiens und war in Palästina, als die Pest eintraf. Er reiste von dort nach Konstantinopel, um die Pestbedingungen auf dem Weg zu beobachten, und war während der dortigen Pest in Konstantinopel anwesend. Der syrische Text seines Berichts wird im zweiten Band von Land's veröffentlicht Anecdota Syriaca. Dieser Text wurde größtenteils vom klösterlichen Autor des Zuqnin Chronik, das 775 im Kloster Zuquin bei Amida fertiggestellt wurde. Johns Bericht ist auch die Grundlage für die Passage in der Chronik von Michael dem Syrer, der syrisch-orthodoxe Patriarch (1166–1199). Sowohl der Autor des Zuqnin Chronik und Michael der Syrer nennen ihre Quelle Johannes von Asien. Eine Zusammenfassung dieses Seuchenausbruchs in der Chronik von Dionysius von Tel MahreDer syrisch-orthodoxe Patriarch (815–845) besteht aus Auszügen aus Johns Bericht. Dies sind alles verschiedene Versionen desselben Textes und stellen somit eine einzige Quelle dar. Obwohl jeder dieser Texte Informationen enthält, die die anderen nicht enthalten, müssen sie alle konsultiert werden. Material, das in gewisser Weise letztendlich auf Johannes von Ephesus zurückgeht, findet sich auch im christlichen Arabisch des 11. Jahrhunderts Chronik von Seert, welches auf früheren syrischen Quellen basiert. Eine unabhängige zeitgenössische syrische Quelle für die Pest in der Zeit von Justinian besteht aus einem kurzen, aber äußerst wertvollen Absatz aus der syrischen Fortsetzung des 6. Jahrhunderts Historia Miscellanea Zacharias Rhetor, Bischof von Mitylene, zugeschrieben, der 491 endete. Diese Passage ist im Text von Michael dem Syrer erhalten.


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