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Von Klöstern zu multinationalen Unternehmen (und zurück): Ein historischer Rückblick auf die Bierwirtschaft

Von Klöstern zu multinationalen Unternehmen (und zurück): Ein historischer Rückblick auf die Bierwirtschaft

Von Klöstern zu multinationalen Unternehmen (und zurück): Ein historischer Rückblick auf die Bierwirtschaft

Von Eline Poelmans und Johann F.M. Swinnen

Zeitschrift für WeinwirtschaftVol. 6, No. 2 (2011)

Abstract: Dieser Artikel befasst sich mit der Bierproduktion, dem Bierkonsum und der industriellen Organisation von Brauereien im Laufe der Geschichte. Klöster waren im frühen Mittelalter die Zentren der Bierwirtschaft. Innovation und gestiegene Nachfrage führten später zum Wachstum kommerzieller Brauereien. Die Globalisierung und wissenschaftliche Entdeckungen haben die Bierindustrie verändert und den Wettbewerb vom 16. bis zum 19. Jahrhundert verschärft. Das 20. Jahrhundert war geprägt von einer dramatischen (nationalen und internationalen) Konsolidierung, großen Veränderungen in den Konsummustern und dem Wiederauftauchen kleiner Brauereien.

Auszug: Mit der Ausbreitung seines Heiligen Römischen Reiches um 800 n. Chr. Baute Karl der Große viele Klöster in ganz Europa, von denen viele zu Brauzentren wurden. Ursprünglich befanden sich die meisten Klöster in Südeuropa, wo das Klima es den Mönchen ermöglichte, Trauben anzubauen und Wein für sich und ihre Gäste herzustellen. Als jedoch später Klöster in Nordeuropa gegründet wurden, wo das kühlere Klima den Anbau von Gerste anstelle von Trauben erleichterte, begannen die Mönche, Bier anstelle von Wein zu brauen. Während des frühen Mittelalters verbreitete sich das „Klosterbrauen“ auf die britischen Inseln, nach Deutschland, Skandinavien und in die Niederlande. Erst im zwölften und dreizehnten Jahrhundert wurde das Brauen zu einem kommerziellen Unterfangen. Zuvor war das Kloster die einzige Einrichtung, in der Biere im kommerziellen Maßstab hergestellt wurden.

Ursprünglich wurde das von den Mönchen gebraute Bier für den Eigenverbrauch sowie zur Übergabe an Gäste, Pilger und Arme verwendet. Später begannen Mönche, Bier auch für andere Menschen wie Adlige zu brauen und ihr Gebräu in sogenannten „Klosterkneipen“ zu verkaufen. Es gab auch sogenannte „Church Ales“, bei denen es sich um Feste und Feste der Kirche handelte, bei denen die Bauern kostenlos Bier trinken durften, was die Nachfrage nach kommerziellem Brauen verringerte.

Studien zeigen, dass Mönche oft große Mengen Bier tranken. Statistische Quellen erwähnen sogar den Bierkonsum von bis zu fünf Litern pro Tag für jeden Mönch in einigen Klöstern. Mehrere Faktoren scheinen eine Rolle gespielt zu haben. Erstens war Bier gesünder als Wasser, da das Wasser im Mittelalter oft verschmutzt war. Zweitens wurde Bier aus ernährungsphysiologischen Gründen häufig in Klöstern für spirituelle und medizinische Zwecke verwendet. Drittens war eine durchschnittliche Mahlzeit in den Klöstern des frühen Mittelalters eher sparsam, und Bier war eine willkommene nahrhafte Ergänzung. Viertens, obwohl Bier Alkohol enthielt, wurde es als eine Flüssigkeit wie Wasser angesehen und war als solche während einer Fastenzeit nicht verboten. Bier war das „allgegenwärtige soziale Schmiermittel“, und dies nicht nur, weil es ein wesentlicher Bestandteil der - oft schlimmen - mittelalterlichen Ernährung war, sondern auch, weil im Mittelalter „jede Gelegenheit, die auch nur aus der Ferne„ sozial “war, nach einem Getränk verlangte.


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