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Was kann uns Schmutz auf Seiten über mittelalterliche Manuskripte und ihre Leser sagen?

Was kann uns Schmutz auf Seiten über mittelalterliche Manuskripte und ihre Leser sagen?

Zum ersten Mal hat uns eine neue wissenschaftliche Technik ermöglicht, in die Gedanken und Motivationen mittelalterlicher Menschen einzudringen - durch ihre schmutzigen Bücher.

Eine neue Technik, die von Dr. Kathryn Rudy, Dozentin an der School of Art History der University of St. Andrews, erfunden wurde, kann messen, welche Seiten in mittelalterlichen Manuskripten am schmutzigsten und daher am meisten gelesen sind.

Eine Maschine namens Densitometer ermöglicht es dem Schmutz, der in den Seiten jahrhundertealter Bücher enthalten ist, die inneren Gedanken unserer Vorfahren zu enthüllen. Dr. Rudys neue Technik mit der Maschine, die in mittelalterlichen Gebetbüchern verwendet wird, hat gezeigt, dass die Menschen genauso eigennützig sind und Angst vor Krankheiten haben wie heute. Die bahnbrechende Forschung hat es sogar geschafft, den Moment zu bestimmen, in dem Menschen beim Lesen desselben Buches einschliefen.

Zum Beispiel war eine der schmutzigsten Seiten in einer Auswahl europäischer religiöser Bücher ein Gebet an den heiligen Sebastian, zu dem oft gebetet wurde, weil seine Pfeilwunden (die Ursache seines Martyriums) wie die Beulenpest aussahen.

Dies zeigt uns, dass der Leser des Buches Angst vor der Pest hatte und das Gebet wiederholte, um die Krankheit abzuwehren. In ähnlicher Weise waren Seiten, die die Gebete für die Errettung anderer enthielten, weniger schmutzig als diejenigen, die um die Errettung für sich selbst baten.

Die Analyse zeigte nicht nur, dass mittelalterliche Menschen um ihre eigene Hilfe beteten, sondern dass die Seiten eines Gebets, die in den frühen Morgenstunden gesprochen werden sollten, nur auf den ersten Seiten schmutzig waren. Dr. Rudys Extrapolation zeigt, dass die meisten Leser zum gleichen Zeitpunkt eingeschlafen sind.

Sie erklärt: „Obwohl es oft schwierig ist, die Gewohnheiten, privaten Rituale und emotionalen Zustände von Menschen zu studieren, kann diese neue Technik uns in die Gedanken von Menschen aus der Vergangenheit einführen.

„Religion war im Mittelalter untrennbar mit körperlicher Gesundheit, Zeitmanagement und zwischenmenschlichen Beziehungen verbunden. Im Jahrhundert vor dem Druck bestellten die Leute Zehntausende von Gebetbüchern - manchmal sehr schön beleuchtete - und dachten sogar, sie könnten so viel kosten wie ein Haus.

"Infolgedessen wurden sie geschätzt, mehrmals am Tag zu wichtigen Gebetszeiten gelesen und durch die Analyse, wie schmutzig die Seiten sind, können wir die Prioritäten und Überzeugungen ihrer Besitzer identifizieren."

Siehe auch den Artikel:Schmutzige Bücher: Quantifizierung von Verwendungsmustern in mittelalterlichen Manuskripten mit einem Densitometer

Quelle: Universität St. Andrews


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