Artikel

Eine Partnerschaftskultur: Jüdisches wirtschaftliches und soziales Leben anhand der Rechtsdokumente der Kairoer Geniza

Eine Partnerschaftskultur: Jüdisches wirtschaftliches und soziales Leben anhand der Rechtsdokumente der Kairoer Geniza

Eine Partnerschaftskultur: Jüdisches wirtschaftliches und soziales Leben anhand der Rechtsdokumente der Kairoer Geniza

Von Phillip Isaac Ackerman-Lieberman

Doktorarbeit, Princeton University, 2007

Abstract: Diese Dissertation untersucht die wirtschaftlichen Partnerschaftsbeziehungen in der jüdischen Gemeinde des mittelalterlichen Ägypten, hauptsächlich wie in den Dokumenten der Kairoer Geniza beschrieben. Es enthält auch ein Korpus von Transkriptionen, Übersetzungen und kurzen Kommentaren zu etwas mehr als hundert bisher unveröffentlichten Rechtsdokumenten der Geniza zu solchen Partnerschaften. Das Korpus ist der Dissertation als Band zwei beigefügt.

Der erste Band der Dissertation präsentiert eine Synthese, die versucht, die möglichen Zusammenhänge zwischen Partnerschaftsbeziehungen zu bewerten, wie sie einerseits im Dokumentarkorpus zu sehen sind; und klassische jüdische und islamische Rechtsquellen auf der anderen Seite. Die Schlussfolgerungen dieser Synthese sind, dass die partnerschaftlichen Beziehungen innerhalb der jüdischen Gemeinde an jüdischen Rechtsnormen unter Ausschluss islamischer Rechtsnormen viel enger gehalten werden als bisher angenommen; und dass sich die jüdische Gemeinde beim Aufbau und der Aufrechterhaltung wirtschaftlicher Beziehungen sowohl auf formelle als auch auf informelle Mittel stützte. Die erste dieser Schlussfolgerungen stellt die unter Gelehrten der Geniza übliche Annahme in Frage, dass die jüdischen Dokumente eine universelle Realität darstellen, die sich auf die islamische Gemeinschaft erstreckt; und die zweite konfrontiert die Grundlagen der wissenschaftlichen Debatte darüber, inwieweit Wirtschaftsinstitutionen in der mittelalterlichen islamischen Kultur formell oder informell waren.

Das erste Kapitel vergleicht die im Dokumentarkorpus beschriebenen Partnerschaftsbeziehungen mit den Partnerschaftsmodellen, die von den klassischen jüdischen Rechtsquellen und Antworten gleichermaßen vorgestellt werden. Wenn die rechtlichen Quellen nicht eindeutig sind, beschreibt das Kapitel die Grundlagen des Streits innerhalb dieser Quellen.

Das zweite Kapitel vergleicht die im Dokumentarkorpus beschriebenen Partnerschaftsbeziehungen mit den Partnerschaftsmodellen, die in den klassischen islamischen Rechtsquellen von den verschiedenen Schulen des islamischen Rechts vorgestellt wurden. Viele dieser Quellen wurden von anderen synthetisiert, aber das Kapitel enthält eine Diskussion einer Reihe von Rechtsschulen, die in der Literatur bisher nicht erforscht waren.

Das dritte Kapitel befasst sich mit der Disziplin Anthropologie, um die von der jüdischen Gemeinde praktizierte Partnerschaftspraxis zu bewerten und über den Dokumentarkorpus hinaus auf andere Genres der jüdischen Literatur- und Dokumentarfilmproduktion zu schauen. Die Bewertung von Briefen, biblischen Kommentaren, Waqf-Vereinbarungen und dergleichen ermöglicht die Beschreibung einer „Partnerschaftsdynamik“, die auf Vertrauens- und Diskretionskonzepten beruht und sich beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von Partnerschaftsbeziehungen auf formelle und informelle Mittel stützt.

Das vierte Kapitel stützt sich auf die Schlussfolgerungen der ersten beiden Kapitel, um ein Paradigma bei der Untersuchung der Geniza-Dokumente in Frage zu stellen, bei dem davon ausgegangen wird, dass die jüdische und die islamische Praxis im wirtschaftlichen Bereich identisch sind. Angesichts dieser Herausforderung wird in diesem Kapitel ein alternatives Paradigma vorgestellt, das diese Annahme lockert. Diese Alternative, die ein komplexeres Beziehungsgeflecht in der mittelalterlichen islamischen Welt darstellt, spielt für die Dokumente der Geniza eine zentrale Rolle bei der Erforschung der mittelalterlichen islamischen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.


Schau das Video: Jung, Jüdisch, Bayrisch: Bar Mitzwa - Sohn des Gebotes (Oktober 2021).