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Askese, Differenzierung, Regierung: „Anorexia nervosa“ als Errungenschaft

Askese, Differenzierung, Regierung: „Anorexia nervosa“ als Errungenschaft

Askese, Differenzierung, Regierung: „Anorexia nervosa“ als Errungenschaft

Von Gordon Tait

Die Konferenz der Australian Sociological Association (1992)

Einleitung: Vom 13. bis zum 16. Jahrhundert in Europa war es nicht ungewöhnlich, dass junge Frauen sich verhungerten. Dieses Fasten wurde als eine Form persönlicher Frömmigkeit durchgeführt und als eine Errungenschaft gelobt. Im Heilige MagersuchtBell schlägt vor, dass diese mittelalterlichen Frauen unter einem psychischen Zustand litten, der „psychologisch analog“ zu „Anorexia nervosa“ war. Dieses Papier wird diese Behauptung ansprechen.

Statistiken deuten darauf hin, dass in der heutigen westlichen Gesellschaft, in der der Mangel an Nahrungsmitteln im Allgemeinen kein Problem darstellt, eine erhebliche Anzahl junger Frauen strenge Fastenpraktiken praktiziert. Es gibt verschiedene Erklärungen für dieses Verhalten, die sich alle auf den pathologischen Zustand „Anorexia nervosa“ konzentrieren. Nach dieser Logik verlieren junge Frauen so viel Gewicht, weil sie krank sind. Feministinnen haben schnell erkannt, dass das Akzeptieren dieses Paradigmas in seiner jetzigen Form viel unerwünschtes Gepäck mit sich bringt. Obwohl ihre Arbeit wichtig war, hat ihre Forschung im Allgemeinen weder die Verwendung des medizinischen Begriffs „Anorexia nervosa“ problematisiert noch das Verständnis von schwerem Fasten bei jungen Frauen als „Krankheit“ oder „Epidemie“ verändert. Neuere Texte wie Brumbergs Fasten Mädchen (1988) und Robertson In der Stille verhungern (1992) haben genau das getan. Der Zweck dieses Papiers ist es, diese Kritik zu erweitern, indem die Fastenpraktiken selbst historisiert werden.


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