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Kinderwächtergeister (Gohō Dōji) im mittelalterlichen japanischen Imaginaire

Kinderwächtergeister (Gohō Dōji) im mittelalterlichen japanischen Imaginaire

Kinderwächtergeister (Gohō Dōji) im mittelalterlichen japanischen Imaginaire

Von Irene H. Lin

Pacific World Journal, Third Series No.6 (2004)

Einleitung: Der Aufstieg des Kultes von Gohō Dōji, Wächter- oder Dienergeistern in Form von Jungen, war ein besonderes mittelalterliches japanisches Phänomen, das sowohl in Erzählungen als auch in visuellen Darstellungen anschaulich festgehalten wurde. In illustrierten Schriftrollen (Emaki) dieser Zeit sehen wir oft seltsam aussehende Jungen, die böswillige Geister angreifen, als Medien im Besitz und Exorzismus-Riten fungieren oder als Begleiter und Retter von Mönchen oder anderen Praktizierenden des Buddhismus auftreten. Häufig dienten sie als begleitende Geister esoterischer Gottheiten wie Acalanātha (Fudō Myōō), Sarasvatī (Benzaiten) und Vaiśravaṇa (Bishamonten). Im Allgemeinen waren diese Kinderschutzgeister persönlich an Priester und Einsiedler gebunden, die durch ihre Sparmaßnahmen Macht und Heiligkeit erlangt hatten.

Anstatt den Ursprung oder die Entwicklung des Kultes von sich selbst aufzudecken, wird dieses Papier den Diskurs und das Symbol von Gohō Dōji untersuchen. Der Diskurs über Gohō Dōji erstreckte sich über esoterische buddhistische Texte hinaus auf die größere buddhistische Literatur wie Dainihonkoku hokekyōgenki, Kokonchomonjū und Konjaku monogatarishū sowie auf die breitere japanische Literatur wie Genji monogatari, Heike monogatari und Uji shūi monogatari. Darüber hinaus wurde Gohō Dōji zu einem Symbol, das andere religiöse Traditionen außerhalb der Kreise von Tendai und Shingon durchdrang und die magischen Überzeugungen der mittelalterlichen Japaner in Bezug auf Schutzgottheiten oder Dienergeister vereinte oder organisierte. Zum Beispiel wurden in Onmyōdō („der Weg von Yin und Yang“, dh Daoismus) im Mittelalter Dienergeister wie Shiki Gami (Ritualgottheiten) oder Shiki ōji (Ritualprinzen) mit Gohō Dōji identifiziert. In Shugendō finden wir auch Wächter Dōji oder ōji, die sich um die Bedürfnisse von Shugenja oder Yamabushi (Praktizierende von Shugendō) kümmern und sie beschützen. Ähnlich wie in der Volksreligion war die Schutzgottheit des Haushalts ein Kind, das Zashiki Warashi (Salonkind), das dem Haus, in dem er oder sie lebte, Glück oder Unglück bringen konnte.


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