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Armut und Polygynie als politischer Protest: Die Waldenser und Mormonen

Armut und Polygynie als politischer Protest: Die Waldenser und Mormonen

Armut und Polygynie als politischer Protest: Die Waldenser und Mormonen

Von Rebecca Jean Emigh

Zeitschrift für Historische Soziologie, Band 5: 4 (1992)

Abstract: Dieser Artikel untersucht den Waldensianismus und den Mormonismus, zwei sehr unterschiedliche religiöse Bewegungen, die durch Zeit, Raum, kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen getrennt sind. Die Quellen sind eine Mischung aus sekundären und veröffentlichten Primärquellen, einschließlich kirchlicher Dokumente in Übersetzung und Originalsprache sowie persönlicher Schriften wie Tagebücher und Briefe. Die Behandlung dieser Quellen ist nicht ungewöhnlich, vielmehr ist der Beitrag dieses Papiers eine synthetische theoretische Analyse dieser Bewegungen im Hinblick auf die praktischen Konsequenzen des Handelns.

Beide Bewegungen waren kohärente Versuche, aktuelle soziale Probleme anzugehen; Weder war es hauptsächlich unlogisch noch irrational, noch bestand es hauptsächlich aus sozial getrennten Individuen. Diese Bewegungen waren weder unpolitisch noch bestanden sie ausschließlich aus rein politischem Handeln. Stattdessen wurden beide zu politischen Protestbewegungen und nicht nur zu religiösen Bewegungen, da der symbolische Inhalt der Bewegung mit der zeitgenössischen Politik verwoben war: Die ideologischen Kritiken der Bewegungen implizierten die größere politische Struktur, die versuchte, den ideologischen Wandel zu verhindern. Diese religiösen Kämpfe waren Prozesse, die zu politischen Bewegungen wurden, weil der ideologische Wandel politisches Handeln implizierte.

Einleitung: Viel politischer Protest ist leicht zu erkennen, da die Teilnehmer klar angeben, dass ihre Ziele eine Umverteilung der Macht sind. Bewegungen mit unterschiedlichen erklärten Zielen, wie zum Beispiel religiösen, haben jedoch oft die gleiche Wirkung oder Absicht. Dieses Papier analysiert zwei religiöse Bewegungen, den Waldenstanismus, eine mittelalterliche Häresie, und den Mormonismus (offiziell die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage), die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, und lokalisiert die trotzigen politischen Handlungen jedes einzelnen in spezifischen Aktionen der Teilnehmer, die ihre religiösen Überzeugungen praktizieren.

In den Literaturen der Geschichte, Soziologie und Anthropologie sind Fragen nach dem Platz politischer Ziele in religiösen Bewegungen aufgetaucht. Die akademischen Debatten verliefen oft in drei Phasen: 1) marxistische oder Klassenanalysen religiöser Bewegungen, 2) Ablehnung jeglicher politischer Obertöne und 3) neue Bemühungen zur Wiedereingliederung politischer und religiöser Analysen. Diese Entwicklung kann von mittelalterlicher Häresie und religiösen Bewegungen südlich der Sahara verfolgt werden. Die jüngste Debatte in der Soziologie konzentrierte sich auf die Unterscheidung zwischen "Belastungs-" oder "Krisentheorie" und "Ressourcenmobilisierung" und kritisiert eine ähnliche Unterscheidung zwischen "kulturellen" und "politischen" Ansätzen.


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