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Fußnoten zum Leben: Marginalia in drei mittelalterlichen isländischen Manuskripten

Fußnoten zum Leben: Marginalia in drei mittelalterlichen isländischen Manuskripten

Fußnoten zum Leben: Marginalia in drei mittelalterlichen isländischen Manuskripten

Von Christine M. Schott

Masterarbeit, Universität Island (2010)

Abstract: In diesem Projekt wird untersucht, was paratextuelles Material - insbesondere Marginalien - über die Einstellung mittelalterlicher isländischer Leser zu ihren Büchern aussagen kann und wie sie durch die auf der Seite hinterlassenen Markierungen an der Schaffung des Leseerlebnisses für zukünftige Leser beteiligt waren. Dieser Zweig der Materialphilologie beleuchtet das Lesen und die literarischen Praktiken im gesamten mittelalterlichen Europa, aber im Bereich der isländischen Literatur bleibt noch viel zu entdecken.

Diese Arbeit diskutiert und liefert eine Transkription der Marginalien in drei bestimmten mittelalterlichen isländischen Manuskripten, wobei sie sich in erster Linie auf ein wenig beachtetes konzentriert Jónsbók Manuskript: Rask 72a. Dieses Buch enthält eine ziemlich umfangreiche Sammlung von Kommentaren des Schreibers zu seiner Umgebung und Ausrüstung, die alle am Rand geschrieben sind. Ich behaupte, dass der Schreiber aufgrund der spezifisch geschriebenen (und daher spezifisch physischen) Natur des Jónsbók-Gesetzbuchs, das sich stark von den Sagen oder Eddas unterscheidet, die zumindest einige Wurzeln im Mündlichen hatten, veranlasst wurde, solche Kommentare am Rand festzuhalten Geschichte Tradition.

Als Ergänzung zu dieser Diskussion des Jónsbók-Manuskripts untersuche ich auch AM 604 4to (ein Manuskript von rímur) und AM 433a 12mo (Margrétar-Saga). Diese Sekundäruntersuchung bietet eine breitere Grundlage für die Diskussion der isländischen Buchkultur. Ich behaupte zum Beispiel, dass die umfangreiche Aufzeichnung von Sprichwörtern in AM 604 ein gewisses Bewusstsein für das Manuskript als Archivierungskraft anzeigt - ein dauerhaftes physisches Artefakt anstelle einer einfachen Aufzeichnung, um die mündliche Aufführung beim Lesen zu veranlassen. Das Vorhandensein solcher Sammlungen absichtlich formulierter Marginalien in allen drei Manuskripten weist auf eine gewisse Übereinstimmung der Haltung gegenüber diesen drei sehr unterschiedlichen Arten von Büchern hin: Auf einer bestimmten Ebene waren sich die Schriftgelehrten der physischen, dauerhaften Natur ihres Materials bewusst Ähnlich wie sie den Wert des Textes hatten, beteiligten sie sich gleichzeitig an der Schaffung zukünftiger Leseerlebnisse, indem sie sich auf der Seite einschrieben.


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