Artikel

Träume, die noch nie geträumt wurden: Träume in der mittelalterlichen Literatur interpretieren

Träume, die noch nie geträumt wurden: Träume in der mittelalterlichen Literatur interpretieren

Träume, die noch nie geträumt wurden: Träume in der mittelalterlichen Literatur interpretieren

Von Hans-Jürgen Bachorski

Geschichtswerkstatt JournalBd. 49 (2000)

Synopsis: In diesem Aufsatz werde ich mich dem Problem der Träume und ihrer Bedeutung in der Literatur nähern, indem ich drei gegensätzliche Verwendungen von Träumen in der mittelalterlichen deutschen Literatur in der Literatur betrachte Nibelungenlied (um 1200), die Parzival von Wolfram von Eschenbach (um 1220) und Gabriotto und Reinhart von Jörg Wickram (1551). In jedem Text ist die Verbindung zwischen dem sprechenden Thema des Textes und dem Traum unterschiedlich, und das Ausmaß, in dem psychoanalytische Ideen den Text erleuchten könnten, ist ebenfalls unterschiedlich. Wer träumt hier von Falken, Gewittern und Drachen, von blutigen Gesichtern und aufgespießten Mädchen? Und wenn der Traumtext etwas enthält, das der Träumer nicht genau weiß, das aber auch niemand sonst wissen kann, wer kennt dann in einem literarischen Text die Ursprünge des Bildrätsels, das in der Traumarbeit entsteht? Woher bekommt der Traumtext sein Material, die einzelnen Bilder für das Puzzle? Schließlich: Wenn der Traum eine „kleine verborgene Tür in den innersten und geheimsten Vertiefungen der Seele“ darstellt, in wessen Seele schauen wir dann in den Träumen, die in mittelalterlichen Romanzen erzählt werden?


Schau das Video: Das passiert beim Träumen! (Oktober 2021).