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Heilige und Demoniacs: Exorzistische Riten im mittelalterlichen Europa (11. - 13. Jahrhundert)

Heilige und Demoniacs: Exorzistische Riten im mittelalterlichen Europa (11. - 13. Jahrhundert)

Heilige und Demoniacs: Exorzistische Riten im mittelalterlichen Europa (11. - 13. Jahrhundert)

Von Marek Tamm

FolkloreBd. 23 (2003)

Einleitung: In der mittelalterlichen Gesellschaft bestand eine der Hauptfunktionen eines Heiligen darin, Menschen zu heilen. Ähnlich wie Christus, dessen Zeitgenossen von seiner Fähigkeit, die Kranken zu heilen, beeindruckt waren, sollte der mittelalterliche Heilige die Fähigkeit haben, wundersame Heilungen durchzuführen. Die hagiografische Literatur zeigt deutlich, dass Gesundheit am meisten zum Wunder aufgerufen wurde: Menschen wandten sich nicht so sehr an Heilige, um die Seele zu segnen, sondern wegen körperlicher Beschwerden.

Die Exorzierung des Dämonischen spielte eine bedeutende Rolle bei den Abhilfemaßnahmen eines Heiligen. Erstens war es der spektakulärste Beweis für die magischen Kräfte des Heiligen: Im Mittelalter war Exorzismus die Bedingung Sinus qua non der Heiligkeit. Zweitens wurden diese Dämonen, wie ich weiter unten angeben werde, in jungen Jahren als verlässliche Zeugen für das Vorhandensein von Heiligkeit angesehen: Der Dämon, der vom Heiligen gezwungen wurde, seine Kräfte durch die Stimme der Besessenen zu bekräftigen, war eine einflussreiche Autorität für a mittelalterlicher Mann.

Bei der Ausübung des Exorzismus war auch ein Heiliger in den allgemeinen Kampf gegen Satan verwickelt. Der Körper eines Besessenen bildete eine Art Schlachtfeld zwischen den Kräften des Himmels und der Hölle. Jeder einzelne Exorzismus eines Heiligen war Teil des ewigen Kampfes zwischen Satan und Gott.

In Anlehnung an die Tradition der Evangelien werden in den frühesten Lebensgeschichten von Heiligen (Lebensläufe) zahlreiche Vorfälle des Exorzismus erörtert. In dem Das Leben des heiligen AntoniusDer von Athanasius († 373) niedergeschriebene ägyptische Heilige befreite viele Besessene unter dem bösartigen Einfluss des Satans. Sulpitius Severus († ca. 420) beschreibt in seinem Buch drei Episoden des Exorzismus Vita sancti Martiniund schließlich berichtet Papst Gregor der Große († 604) in seinen Dialogi über zahlreiche Geschichten über Exorzismus, denen wir in der neueren hagiographischen und sermonischen Literatur begegnen werden.4


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