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Gaben Hitler und Nazi-Funktionäre Interviews und kooperierten mit der Presse der Weimarer Republik?

Gaben Hitler und Nazi-Funktionäre Interviews und kooperierten mit der Presse der Weimarer Republik?


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Politiker vermeiden es oft absichtlich, von Journalisten aufgrund zahlreicher Argumente interviewt zu werden, und wenn sie interviewt werden, könnten sie sicherstellen, dass sie das Interview mit ihrer eigenen Crew filmen, um mögliche "Bearbeitungsfehler" aufzudecken.

Als ich erfahren habe, wie die Nazis vor 1933 (bevor Hitler Kanzler wurde) an Popularität gewannen; zuerst in München, dann breiter in Bayern, dann in ganz Deutschland habe ich folgende Methoden kennengelernt:

  • Öffentliches Reden bei Veranstaltungen
  • Provozieren des Publikums zu Schlägereien bei Ereignissen, die später von der Presse begutachtet wurden (wodurch mehr der Partei ausgesetzt wird)
  • Aufkleber verwenden und Broschüren vorschlagen
  • Verwendung von mit Propaganda-Megaphonen ausgestatteten Autos
  • Verwendung von Symbolen, die als "mysteriös" und "charismatisch" verstanden wurden
  • Verwendung eines hierarchischen Systems von Kommandeuren und Kommandanten, die als "charismatisch" verstanden wurden
  • Veröffentlichung eigener Drucksachen mit ungeheurem Antisemitismus und Rassismus

Mein Problem

Ich bin nie auf Daten über Interviews oder Kooperationen mit der damaligen deutschen Presse gestoßen.

Meine Frage

Gaben Hitler und Nazi-Funktionäre Interviews und kooperierten mit der allgemeinen Presse der Weimarer Republik (oder weigerten sie sich im Vergleich zu anderen politischen Führern in der Weimarer Republik vehement)?


Geht man davon aus, dass bei "Weimar" ausschließlich die Frage nach der Prädiktatur Deutschland gestellt wird, dann ist für den Zeitraum 1919-1934 zu beachten:

(Oktober 1930)
Es wird ein sauberer Winter. Nominierungen nur gegen uns. Aber die Schurken werden sich irren, wenn sie denken, sie würden uns durch Terror und Verfolgung brechen. Interview mit einem Funker. Ich habe ihm meine Meinung gesagt. Über die "Neutralität" des Radios [!] und die Feigheit der Regierung, ihre Parteipolitik offen zuzugeben. Zu Hause lesen und musizieren.

(27. März 1933 ([Hotel] Kaiserhof [(Kaisergericht)])
Ich diktiere einen scharfen Aufsatz gegen die Gräueltaten der Juden. Allein seine Ankündigung lässt die ganze Schar zusammenbrechen. Solche Methoden muss man anwenden. Großzügigkeit beeindruckt den Juden nicht. Man muss ihnen zeigen, dass man entschlossen ist, alles zu tun. Ich werde meinen Appell umgehend per Telex nach München weiterleiten, damit er dem Führer übermittelt werden kann. Er wird entscheiden, wann die Aktion eingeleitet werden soll. Die jüdische Presse wimmert vor Entsetzen und Angst. Alle jüdischen Vereine in Deutschland bekennen sich zur Regierung. Wir arbeiten so viel wie möglich mit Interviews; aber nur eine ganz große Aktion kann uns jetzt aus dieser Not heraus helfen. Ein herrlicher Frühling liegt über Deutschland.

(20. Juni 1933)
Amt Göring/Körner in Rundfunkangelegenheiten - eine Zumutung. Ich bin wütend und will zu Hitler fliegen. Aber ich lasse die Sache reifen. Araber kennengelernt. Ständige Interviews. Das bringt mich zum Kotzen.

Aus den Tagebüchern von Joseph Goebbels. (- Ralf Georg Reuth (Hrsg.). "Jospeh Goebbels Tagebücher 1924-1945", Piper: München, Zürich, 32003. (Meine Übersetzung))

Es gibt noch zahlreiche Interviews im Netz, wenn Sie eine anständige Suchmaschine verwenden. Oder einfach nur Pressearchive.

Die allgemeine Entwicklung war, dass zunächst niemand (von den nicht-lokalen deutschen Zeitungen) so sehr daran interessiert war, mit ihnen zu reden, nach dem Hitler-Ludendorff-Putsch waren sie keine wirklichen Akteure mehr. Aber nach 1928 versuchten sie, die Presse so gut wie möglich zu nutzen.
Während Hitler selbst etwas weniger daran interessiert war, hin und her Interviews zur Veröffentlichung zu geben, genossen andere das Rampenlicht und die Aufmerksamkeit viel mehr. Von 1929 bis 1934 wurden diese Kooperationen „natürlich“ genutzt, um für die Parteilinie zu werben, wo und wann immer sie konnten.

Die damals sehr parteiische Presselandschaft Deutschlands machte diese Art der Zusammenarbeit mit allen linksgerichteten Blättern recht schwierig, aber dann gab es sowieso viel liberalere und konservativere rechtsgerichtete Blätter. Daher scheint "Kooperation" ein etwas seltsames Wort, wenn es auf "die Presse" angewendet wird. Seltsamerweise scheint es der Höhepunkt eines jeden Nazi-Tages zu sein, internationalen Zeitungen, italienischen, französischen, spanischen und vor allem amerikanischen, Interviews zu geben.

- Bernhard Fulda: "Presse und Politik in der Weimarer Republik", Oxford University Press: Oxford, New York, 2009.

Ein weiteres höchst relevantes Beispiel findet sich 1923, als Hitler ein Interview gab, in dem er über die Idee nachdachte, dass „im Idealfall alle Juden getötet werden müssten“…
( Zitiert in: - Christian Hartmann, Thomas Vordermayer, Othmar Plöckinger & Roman Töppel (Hrsg.): Hitler, Mein Kampf. Eine kritische Edition. Institut für Zeitgeschichte München: Berlin, München, 2016, Bd.1, S.208.)

Oder

In einem Interview mit einem nationalsozialistischen Journalisten im Juni 1924, während er tatsächlich im Gefängnis Landsberg war (wo er Mein Kampf schrieb), erklärte Hitler, dass er in der Vergangenheit mit seinem Rassismus zu nachsichtig gewesen sei. Jetzt musste er die härtesten Methoden gegen "die Pest der Welt" (also gegen die Juden) anwenden.
- Martyn Housden: "Hitler Study of a Revolutionary?", Routledge: London, New York, 2000.

Natürlich hatten sie auch ein ziemlich schwieriges und missbräuchliches Verhältnis zur Wahrheit, eine schwierige Situation für jeden Eheberater. Ein echter Klassiker ist natürlich dieses Interview kurz vor dem Ausbruch der autoritären Herrschaft in die Diktatur. Es sieht fast so aus, als ob kritische Haltung noch toleriert wurde:

"Was sagen Sie, Herr Minister, zu dem Gerede, die Nazis hätten den Reichstag selbst angezündet?"

Darauf antwortete Hans Frank, SA-Mitglied und NSDAP-Mitglied seit 1923, NS-Justizminister in Bayern und - so der offizielle Titel - "Reichsbeauftragter für den Justizausgleich und für die Erneuerung der Rechtsordnung". Dieses Interview wurde veröffentlicht in Kölnische Zeitung am 21. September 1933. Er sagte:

"Es sind die Schreie des ertappten Diebes, der brüllt: 'Halt den Dieb', und weiter: 'Feuer und Zerstörung sind die Waffen der kommunistischen Weltrevolution.'